Kennst du das? In der bunten Bilderflut der sozialen Medien, bleibt dein Blick ausgerechnet auf einem Schwarzweiß-Foto hängen. Irgendetwas fasziniert dich an diesem Bild. Aber was macht ein gutes Schwarzweiß-Foto aus? Dieser Blogartikel gibt dir die wichtigsten Antworten auf diese Frage und du bekommst auch gleich noch ein paar Tipps für gelungene Schwarzweiß-Fotos.

Schwarzweiß war schon immer da

Wer meint, dass die Schwarzweiß-Fotografie nur eine künstlerische Stilrichtung ist, der irrt. Schwarzweiß war schon immer da. Viel früher als die ersten Farbfotos. Als im 19. Jahrhundert die ersten bildgebenden Verfahren erfunden und weiterentwickelt wurden, dachte noch niemand an farbige Fotografie. Alle Ergebnisse waren Schwarzweiß. Am Anfang noch aufwändig auf Glasplatten und später dann auf Film entwickelt. Farbfotos kamen erst in den 1970er Jahren zu größerer Popularität. Mehr zur Geschichte der Schwarzweißfotografie erfährst du im Wikipedia-Artikel.

Was macht ein gutes Schwarzweiß-Foto aus ?

Durch den Wegfall der Farben, kann die Wirkung eines Fotos nicht mehr auf Merkmale wie Komplementärfarben, Farbkontraste oder warmen bzw. kalten Farbtönen basieren. Ein Schwarzweiß-Foto ist reduziert, aber in der Wirkung dennoch nicht limitiert. Auf einmal werden Dinge wie Kontraste, Formen, Linien und Bildaufbau wichtig(er). Es reicht nicht, nachträglich am Rechner dem Foto die Farbe zu entziehen. Ein schwaches Farbfoto wird auch ein schwaches Schwarzweiß-Foto bleiben. Genau diese Aspekte machen die Schwarzweiß-Fotografie so anspruchsvoll. Es bedarf einer gewissen Erfahrung, viel experimentieren und einer Portion fotografischem Talent auch ohne Farben zu guten Ergebnissen zu kommen.

Es gilt also den fotografischen Blick so zu schulen, dass man sich bereits vor seinem inneren Auge das Motiv in Schwarzweiß vorstellen kann

Graustufen sind die Farben eines Schwarzweiß-Fotos

Ein gutes Schwarzweiß-Foto lebt von seinen Graustufen. Klingt Logisch. Was anderes hat man ja auch nicht zur Verfügung. Aber so einfach ist es nicht. Am folgenden Beispiel zeige ich dir, dass ein Farbfoto nicht zwingend auch in Schwarzweiß funktioniert. Warum? Weil sich gewisse Farben als Grauwerte zu sehr ähneln bzw. durch den Wegfall von Farbe typische Merkmale des Motivs (z.b. die Farbe von Pflanzen) verloren gehen. Das Bild verliert seine Wirkung (siehe unten). Es gilt also den fotografischen Blick so zu schulen, dass man sich bereits vor seinem inneren Auge das Motiv in Schwarzweiß vorstellen kann. Dieser Lernprozess ist für jeden individuell, aber am Ende wird man mit tollen Fotos belohnt.

Spiel mit Licht und Schatten – Kontraste erwecken ein Foto zum Leben

Fotografie wird gerne als „Malen mit Licht“ umschrieben. Besonders in der Schwarzweiß-Fotografie ist genau das die Essenz für ein gutes Foto. Licht und Schatten sind deine Freunde. Kontraste erwecken ein Schwarzweiß-Foto zum Leben. Während die meisten Fotografen das harte Mittagslicht meiden, kannst du dich ungestört austoben. Und erst die langen Schatten am Abend oder z.b. in einem Museum (Bild links) oder Bahnhof. Ein Fest für die Schwarzweiß-Fotografie! Hervorgehobene Details von z.b. einem technischen Gegenstand, wirken gerade in Schwarzweiß besonders plastisch. Mikrokontraste machen ein Motiv regelrecht greifbar (Bild rechts).

Formen und Linien geben dem Foto etwas Abstraktes

Schwarzweiß-Fotografie wird häufig in den Bereichen Architektur, Technik und Industrie verwendet. Warum? Weil sich hier besonders viele Motive mit Formen, Linien, Abstraktion bis hin zum Minimalismus finden lassen. Wenn man diese Eigenschaften richtig in Szene setzt, dann entstehen Schwarzweiß-Fotos von besonderer Ästhetik.

Welche Motive eignen sich besonders für Schwarzweiß-Fotografie ?

Es gibt kaum Genres, die sich nicht für Schwarzweiß-Fotografie eignen. Abgesehen von vielleicht Food-Fotografie. Ein in dezenten Grautönen fotografiertes Essen sieht wahrscheinlich nicht unbedingt appetitlich aus. Aber selbst daraus könnte man ein elegantes Stillleben zaubern. Trotzdem gibt es zahlreiche Motive, die sich hervorragend für Schwarzweiß-Fotos eignen und die gerade wegen dem Verzicht auf Farbe ihren besonderen Reiz ausmachen.

Architektur

Architekturfotografie ist das Ordnen von Flächen und Linien zu einem harmonischen Ganzen. Wer schon einmal am Fuße eines großen Gebäudes gestanden hat, wird wissen was ich meine. Man versucht zu ordnen, zu abstrahieren und auszurichten. Durch den Verzicht auf Farbe, lenkt der Fotograf zudem den Blick auf die Geometrie und Bauweise eines Gebäudes und blendet dadurch teils sogar störende Elemente für das Auge komplett aus. Ein geschicktes Spiel mit Kontrasten sowie Licht und Schatten, fügt dem Foto noch die Eleganz hinzu, die meist nur in Schwarzweiß ihre volle Wirkung entfaltet. Wenn all diese Faktoren ausgewogen sind, dann wirkt das Bild seltsam elegant und in sich ruhend. Man spürt förmlich wie unverrückbar das Gebäude dort steht.

Streetfotografie

In der heutigen Street- bzw. Straßenfotografie hat sich Schwarzweiß weitestgehend als Hauptstilmittel durchgesetzt. Der Blick wird durch den Entzug der Farbe ohne Ablenkung auf den Moment oder die Szene fokussiert. Charakteristisch für solche Fotos sind starke Kontraste. Hier dominieren meist Schwarz und Weiß. Graustufen spielen eine eher untergeordnete Rolle. Ein gutes Street-Foto zeichnet sich durch Timing sowie einem interessanten Spiel von Licht und Schatten aus. Hier spielt die Schwarzweiß-Fotografie ihre volle Stärke aus. Man gelangt ohne Umwege zur Essens des Augenblicks.

Landschaften

Wenn man über Landschaftsfotos in Schwarzweiß redet, dann kommt man an Ansel Adams eigentlich nicht vorbei. Er ist der Pionier dieser Art der Fotografie und hat sie bis zur Perfektion getrieben. Noch heute gelten seine Fotos als Beispiele für guten Bildaufbau und größtmögliche Ausnutzung des vorhandenen Kontrast- und Tonwertumfangs. Das von Adams erfundene „Zonensystem“ wird heutzutage in digitaler Form von uns als Histogram benutzt. Es ermöglicht uns die Belichtung so anzupassen, das wir den größtmöglichen Konstrastumfang eines Motivs einfangen können. Im Gegensatz zu den starken Kontrasten der Street-Fotografie, möchte man in der Landschaftsfotografie eher eine sanfte Abstufung aller vorhandenen Tonwerte erzielen. Komplett weiße oder schwarze Bereiche gilt es zu vermeiden.

Industrie und Marodes

Industriefotografie ist häufig mit Rost, Patina oder anderen rauen Oberflächen verbunden. Wir sind also wieder bei den härteren Kontrasten. Aber diesmal geht es nicht um die Kontraste größerer Kanten wie z.b. in der Architekturfotografie, sondern um die Kontraste von sehr feinen Strukturen, den sogenannten Mikrokontrasten. Je mehr man ein Motiv vergrößert, umso mehr möchte man die feinen Strukturen der Oberfläche greifbar machen. Egal ob Kratzer, Rost oder sonstige Unebenheiten: Sie sollen gut sichtbar sein. Hier kommen die Mikrokontraste ins Spiel. Durch sie wird ein Bild plastischer und greifbarer. Aber man sollte es nicht zu sehr übertreiben, sonst wirkt es zu Abstrakt. Mikrokontraste werden teils schon von speziellen Objektiven unterstützt, aber in der Regel werden sie nachträglich am Rechner herausgearbeitet. In Adobe Lightroom ist dafür zum Beispiel der Klarheit-Regler zuständig.

Abstraktion und Minimalismus

Wer das größtmögliche Maß der Reduzierung erreichen möchte, der ist in der Abstraktion und im Minimalismus genau richtig. Beide Bereiche drängen sich für die Schwarzweiß-Fotografie geradezu auf. Hier wird nicht nur auf Farbe verzichtet, sondern auch auf das Wesentliche reduziert: Die Bildsprache. Durch Reduzierung und Abstraktion werden Dinge in den Mittelpunkt gerückt, die nicht sofort ins Auge springen. Hier braucht man den zweiten oder dritten Blick. Bei genauerer Betrachtung entfaltet sich aber eine Faszination, die man durchaus fotogen in Szene setzen kann. Aber Vorsicht: Der Grad zwischen belanglos und interessant ist hier besonders schmal.

Tipps für deine Schwarzweiß-Fotografie

  • Stelle das Display bzw. den elektronischen Sucher deiner Kamera auf Schwarzweiß
    Sehen in Schwarzweiß muss erlernt werden. Deine Kamera kann dir dabei helfen. Du siehst bereits vor dem auslösen, wie dein Motiv in Schwarzweiß wirkt.
  • Fotografiere in RAW …
    … wenn du maximale Freiheit für die Bildbearbeitung benötigst. Ansonsten sind die JPG-Fotos moderner Kameras schon sehr gut und du kannst zudem mit eingebauten Kunstfiltern bzw. Filmsimulationen arbeiten.
  • Es gibt kein schlechtes Wetter für die Schwarzweiß-Fotografie
    Während andere sich über das Wetter aufregen, ziehst du mit deiner Kamera trotzdem los. Regen (Spiegelung) oder Nebel (Mystisch) bringen deinen Fotos meist sogar noch einen Boost an Atmosphäre.
  • Keine Angst vor den Schatten
    Lange Schatten sorgen für kreative Gestaltungsmöglichkeiten. Jetzt ist der ideale Zeitpunkt für Aufnahmen im Gegenlicht (Silhouette, Scherenschnitt)
  • Dynamik und Bewegung
    Besonders die Street-Fotografie lebt von der Dynamik des Moments. Durch längere Belichtungszeiten bekommst du eine gewisse Bewegungsunschärfe in deine Fotos.
  • Achte auf eine klare Bildsprache
    Durch den Verzicht auf Farbe, ist die Inszenierung des Hauptmotivs umso wichtiger. Sorge dafür, dass es sich vom Hintergrund abhebt und der Blick durch Linien oder Licht dorthin geführt wird.
  • Weniger ist Mehr
    Überlade deine Fotos nicht mit zu vielen Details. Mache stattdessen lieber mehrere Fotos mit unterschiedlichen Blickwinkeln. Besonders in Schwarzweiß wirken die „Alles drauf“ Fotos meist etwas verloren und einfallslos.
  • Experimentiere mit Graufiltern
    Magst du diese Fotos mit ziehenden Wolken oder dem glattgezogenen Wasser? Dann solltest du dir definitiv einen Satz Graufilter anschaffen. Besonders in Schwarzweiß wirken solche Fotos elegant und ästhetisch.
  • Spiele mit den Farbkanälen
    Klingt widersprüchlich? Ist es aber nicht. Wenn du in RAW fotografierst, ist das Ausgangsfoto trotzdem in Farbe. So kannst du hinterher am Rechner, trotz Umwandlung in Schwarzweiß, die einzelnen Farbkanäle in der Tonung, Sättigung und Helligkeit anpassen. Beispielsweise kannst du den Himmel abdunkeln, indem du die Luminanz des Blaukanals senkst.