Wenn man sich in einem schwachen Moment dazu entscheidet „Ich schreibe jetzt ein E-Book“, dann türmen sich alsbald viele kleine Dinge vor einem auf, die sinnvoll, kreativ und organisiert angegangen werden sollten. Ich zeige dir, wie ich trotz weitestgehend konsequenter Missachtung dieser drei Punkte zum Ziel gekommen bin.

Als etwa im März 2019 in mir der Gedanke reifte, aus unseren mittlerweile weit über Tausend Bergischen Bildern etwas Bleibendes zu erschaffen, blieb nach abwägen zwischen Frühstücksbrettchen, diesen beliebten Holzklötzen mit aufgeklebten Motiven und einem Buch, letztendlich das Buch übrig. Ein Buch sollte es also werden. Prima! Das war für mich so naheliegend wie die Entfernung einer Kuh zum Mond. Bücher waren in meiner Jugend mal ein kurzer Begleiter und auch durchaus spannend, aber irgendwann habe ich den Bezug dazu verloren. Ein Film konnte mich da mehr begeistern. Aber das ist ein anderes Thema. Merkwürdigerweise habe ich zwar immer gerne geschrieben, aber das Lesen wurde nie eine richtige Leidenschaft. Dann doch lieber ein paar launige Fotobücher, dessen epische Zweizeiler am Bildrand für mich völlig ausreichend waren. Ich liebe Fotobücher. Aber ein Fotobuch über das Bergische Land ? Kann man machen …

E-Book vs Buch

Buch oder E-Buch ?

Also schaute ich mir unser Fotoarchiv mal etwas genauer an und siehe da, meine Vermutung wurde quasi durch meinen Lightroom-Katalog nachweislich bestätigt: Wuppertal war die Stadt, in der wir uns am meisten aufgehalten und fotografiert haben. Die Stadt bietet einfach so viel fotografische Abwechslung, dass wir hier sogar schon einige tolle Workshops abgehalten haben, die allesamt riesigen Spaß gemacht haben. Wuppertal war die ideale Stadt für mein erstes Buchprojekt. Ich sah mich schon ganze Bücherregale mit meinen fotografischen und literarischen Ergüssen füllen, als mich dann doch die Realität einholte. Drucken ? Hmm, ich weiß von einigen Kollegen, dass die Druckkosten extrem von der Auflage abhängen. Zwischen einer Auflage von 1000 bis 5000 Stück halbieren sich fast die Kosten pro Exemplar. Aber selbst 1000 Bücher schienen mir extrem viel. Das ganze Projekt müsste ja schließlich vorfinanziert und letztendlich auch noch irgendwie vermarktet und verkauft werden. Gibt es überhaupt Bedarf für so ein Buch? Geht das überhaupt ohne Verlag? Was für ein Buch soll es überhaupt werden?

So viele Fragen und nur eine (für mich) richtige Antwort: Das erste Buch wird ein E-Book und es soll eine Art fotografischer Stadtführer werden. Perfekt! Voll mein Ding! Ich mag gute Stadtführer. Gute(!) Stadtführer. Aber wie definiert man gut ? Zum beantworten dieser Frage musste ich dann Katja konsulieren. Literarisch das genaue Gegenteil von mir: Sie liest gerne und viel und mag den Geruch von Papier. Sie ist auch diejenige, die unterwegs jederzeit aus dem Reiseführer ein paar Details über die Sehenswürdigkeit rezitieren kann, vor der wir gerade stehen. „Aha, gut zu wissen. Kann ich jetzt weiter fotografieren?“. Quatsch, natürlich ist das meiste tatsächlich interessant und wissenswert. Zumindest für den Moment. Sie konnte mir sagen, wie ein guter Stadtführer aufgebaut sein muss. In erster Linie muss er schon beim durchblättern den Entdecker in Dir wecken. Keine langen Textwände. Ausreichend große Schriftart. Viele Bilder. Aufgelockertes Design. Eine Prise Wissenswertes und ein guter Schluck Tipps und Tricks für die Fotografie. Das klang umsetzbar und so machte ich mich ans Werk.

Am Anfang war die Software

Aber womit schreibt man ein E-Book ? Zuerst dachte ich an den Writer von OpenOffice weil kostenlos und für Textverarbeitung doch gut geeignet. Allerdings stellte sich bereits auf den ersten Seiten heraus, dass Textverarbeitung die kleinste Herausforderung beim schreiben eines bebilderten Buches ist. Es geht vielmehr um ein ansehnliches Seitenlayout und Möglichkeiten um Bilder und Grafikelemente kreativ und flexibel einzubinden. Mit dem OpenOffice Writer kam ich viel zu schnell an gestalterische Grenzen, wodurch meine Motivation schon erste Kratzer erhielt.

Scribus Screenshot

Die funktionale Oberfläche von Scribus

Also begab ich mich wieder in die Tiefen der Suchmaschinen und wechselte nach kurzer Recherche auf das ebenfalls unter dem OpenSource Konzept entwickelte Scribus. Eine Software, die auf Desktop-Publishing spezialisiert ist und die einem beim schreiben und layouten viel mehr Möglichkeiten und Werkzeuge an die Hand gibt. Auf einmal war das platzieren von Bildern mit umfließendem Text viel leichter geworden. Meine kreative Einfälle waren auf einmal umsetzbar. Ich wähnte mich in der absolut passenden Software für mich und so wuchs das Buch schnell und stetig an. Mit der Zeit häuften sich allerdings auch hier wieder nervige Kleinigkeiten, die mir den Spaß am weitermachen raubten. Wenn man eine Layout-Idee hat und diese entweder nur per „Try And Error“ oder überhaupt nicht umsetzen kann, dann zerrt das nicht nur gewaltig an den Nerven, sondern nagt zudem auch noch an der Motivation. Außerdem störte mich auf Dauer irgendwie die helle Oberfläche. Das mag zickig klingen, aber durch die Bildbearbeitung mit Adobe Produkten, habe ich die dunkelgrauen bzw. schwarzen Oberflächen lieb gewonnen. Ein dunkler Arbeitsbereich ist für meine Augen einfach entspannter. Ich kann mich im Dunklen einfach besser konzentrieren. Klingt doof, ist aber so. 😉

Affinity Publisher macht das Rennen

Lange Rede kurzer Sinn: Ich machte mich also etwa auf der Hälfte des Buches nochmal auf die Suche nach einer alternativen Software, die besser zu mir und dem Buch passt. Seitdem die Idee in mir wuchs, liebäugelte ich bereits mit Adobes InDesign,  dem Platzhirsch am Markt, wenn es um Design und Layout geht. Sollte es letztendlich doch die Lösung aller Probleme sein ? Der Haken an der Sache war allerdings, dass es InDesign nur im CC-Abo gibt und in der günstigsten Version alleine schon knapp 24 Euro / Monat kostet. Für meine ersten Gehversuche als Autor war mir das schlicht zu teuer. Also gab ich mal in die Suchmaschine „InDesign Alternative“ ein und siehe da, es kam sogar etwas verwertbares dabei heraus. Der britische Software-Hersteller Serif bietet mittlerweile eine Creative Suite an, die sich hinter dem Marktführer nicht mehr zu verstecken braucht. Die Suite beinhaltet den Affinity Designer, die Bildbearbeitung Affinity Photo und das für mich relevante Affinity Publisher. Bereits nach den ersten Screenshots war ich Feuer und Flamme. Ich mochte das Programm, ohne jemals damit gearbeitet zu haben. Hat man schon mal. Also lud ich mir kurzerhand die Demoversion herunter und testete ein wenig herum. Wow, ich konnte auf Anhieb problemlos und vor allem intuitiv meine Ideen und Vorstellungen umsetzen und mich kreativ sprichwörtlich austoben. Affinity Publisher machte alles mit. Geht doch! Zudem war die Software u.a. im Vorschaumodus deutlich schneller als Scribus.

Affinity Publisher Screenshot

Die dunkle und übersichtliche Oberfläche vom Affinity Publisher sagt mir deutlich mehr zu

Aber ohne Schatten gibt es halt kein Licht. Diesmal war das Dateiformat der Pferdefuß. Affinity Publisher kann mit Scribus-Dateien nix anfangen. Ergo konnte ich meinen bisherigen Fortschritt nicht importieren und saß wieder vor einem erwartungsfrohen aber leeren Dokument. Na toll. Nach kurzem hin und her habe ich mich dann doch entschieden nochmal von vorne anzufangen. Affinity Publisher hat mich einfach innerhalb kürzester Zeit überzeugt. Außerdem kostet es nur einmalig absolut faire 55 Euro. Zum Vergleich hätte ich für InDesign im Creative Cloud-Abo im selben Zeitraum (etwa 9 Monate) fast 200 Euro bezahlt. Das arbeiten am Buch fiel mir deutlich leichter und bereits auf den ersten Seiten schälte sich ein deutlich besseres und schöneres Buch aus dem Affinity Publisher, als wahrscheinlich mit Scribus jemals entstanden wäre. Hier war ich richtig und hier zog ich es auch durch.

Bilder – Du brauchst Bilder!

Photo Coming SoonWenn du selbst mal ein Buch oder E-Buch mit Bildmaterial schreibst, dann stellt sich die erschreckende Erkenntnis schnell ein: Du wirst mehr Bilder benötigen als du hast. Ganz sicher. Verlass dich drauf. „Och, davon habe ich ja noch gar kein Foto!“ oder „Wie, das habe ich auch noch nicht fotografiert ?“. So geht das eine ganze Weile, bis die Liste fehlender Bilder länger ist als dein letzter Einkaufszettel. Tja und genau das geht in die Zeit. Immerhin hat man ja auch einen gewissen Anspruch an die Fotos. Sie sollen schließlich in einem Buch landen und nicht nur für einen Fingerwisch im Schlund des Social Media. Letztendlich hat sich die Vervollständigung der Bilder über viele Wochen hingezogen. Die Jahreszeit muss passen. Das Wetter muss passen. Das Licht muss passen. Viele Faktoren die man gerne unterschätzt.

Ein Buch zu schreiben ist ein Dauerlauf mit kurzen Sprints

Wenn du denkst, dass so ein Buch in wenigen Wochen fertig ist, dann bist du entweder total übermotiviert, naiv, unerfahren oder … der schnellste Buchautor der Welt. Sollte Letzteres zutreffen, dann kontaktiere mich doch bitte umgehend per E-Mail. Ich falle vor dir in den Staub. Lass mich dein Schüler sein! Realistisch betrachtet habe ich (mit Unterbrechungen) etwa zehn Monate an dem Buch gearbeitet. Natürlich nicht ausschließlich, aber doch schon ziemlich regelmäßig. Das Buch ist mit seinen gut 100 Seiten nicht sonderlich dick, aber selbst bei diesem Umfang bin ich an den Punkt gekommen, wo ich das Ding einfach nicht mehr sehen konnte. Irgendwann nervt das zeitintensive recherchieren, damit man dem Leser zu einem netten Foto auch einen netten und im besten Fall sogar informativen Text kredenzen kann. Es nervt, nach einem passenden Bild zu suchen und genau von diesem Motiv keins auf der Festplatte zu haben. Es nervt, wenn einem plötzlich auffällt, dass die letzten zehn Seiten sich gleichen wie ein Ei dem anderen. Vielleicht mal ein wenig das Layout auflockern ? Es nervt!

Spätestens jetzt ist es an der Zeit das werdende Buch mal ein paar Tage beiseite zu legen. Einfach mal die Finger davon lassen und sich anderen Dingen widmen. Das öffnet den Geist und vor allem setzt die Pause auch wieder neue Kreativität und neuen Elan frei. Irgendwann juckt es einen dann wieder und auf einmal läuft es wie von selbst. Die Seiten fliegen und man macht echt Strecke. Zehn, Fünfzehn Seiten an einem Tag. So macht das Laune! Tja, und dann kommt man an den Punkt, wo das Buch vom geplanten Inhalt her fertig ist. Jetzt beginnt die Phase des Feinschliffs. Hier noch etwas umschreiben, da noch ein Bild austauschen. Mit dieser Phase beginnen dann aber auch Zweifel. Habe ich an alles gedacht ? Ist das Buch interessant genug ? Wird es den Leuten gefallen ? Man setzt sich zunehmend selbst unter Druck. Aber warum eigentlich ? Das ist doch völlig unnötig. Es gibt da draußen richtig gute Bücher und wahrscheinlich sogar mehr richtig schlechte Bücher. Irgendwo dazwischen wird sich mein Erstwerk schon einordnen. Wo genau, das entscheiden die Leser.

Bringe die Dinge zu Ende, die du angefangen hast!

Schlussendlich bin ich stolz darauf, dieses E-Book erdacht, konzipiert und realisiert zu haben. Gerade an der letzten Etappe, der Realisierung, scheitern überdurchschnittlich viele Projekte. Irgendwann verlangsamen sich die Bemühungen und der Fortschritt kommt zum erliegen. Bis dann letztendlich das komplette Projekt im Sand der Zeit verweht und niemals fertig wird. Nein! Jetzt weiß man für sich selbst, dass man auch ein größeres Projekt konsequent bis zum Ende durchziehen kann. Das lässt für die Zukunft hoffen 🙂

Nimm diese Einstellung für eigene Projekte mit auf den Weg: Bringe die Dinge zu Ende, die du angefangen hast. Auch wenn dir diese letzte Etappe als die höchste erscheint: Das Glücksgefühl es trotzdem geschafft zu haben, war all die Anstrengung wert. Was ist dein nächstes Projekt ?

Und wenn sich das E-Book nicht gut verkauft ? Dann gibt es eben Frühstücksbrettchen …